"Mehr Lokales und weniger drumrum"
Erzeugergemeinschaft will ihr Mehl ausgesuchten Discountern anbieten -
Gute Qualitäten bei leichtem Ertragsrückgang
Kraichgaukorn mit sanftem "Wachstumsschub"
Umsatzentwicklung erlaubt auch Rückstellungen / Alte Sorten wie Einkorn werden gefördert
Zurück zu den Wurzeln des Getreides
Marktgemeinschaft setzt auf das urige Einkorn und will bald Discounter beliefern
Einkorn soll wieder seinen Platz finden
Marktgemeinschaft Kraichgaukorn startet bundesweit einzigartiges Projekt - "Exklusive Vermarktung eines Nischenprodukts"
Kontrolleur nimmt den Weizen aufs Korn
Kraichgaukorn setzt die Qualitätsstandards für Landwirte besonders hoch
Einkorn, ein Ziel
Kraichgau Marktgemeinschaft will mit Brot aus Ur-Getreide eine Nische besetzen
Seinem strengen Auge entgeht nichts
Ackerbauexperte Gerhard Risser unterzieht die Getreidefelder von "Kraichgau Korn" derzeit einer Qualitätskontrolle
Wichtig ist die Beziehung zu den Bäckereien
In der Marktgemeinschaft Kraichgau Korn produzieren inzwischen 35 Landwirte umweltschonend Getreide
Frische dient als Wachstumsmotor
Forum bei "Kraichgau Korn"; Marktgemeinschaft setzt auf Produkte aus der Region
Der Erfolg liegt im Korn
Kraichgau Marktgemeinschaft feiert 20-jähriges Bestehen und stetiges Wachstum
Angefangen hat alles mit dem Wasserpfennig, mit dem Landwirte dafür belohnt wurden, dass sie verantwortungsvoll mit Düngemitteln umgehen. „Da waren es fünf bis sechs Bauern, die nach dem Motto gehandelt haben: Aus der Not eine Tugend machen“, erklärt Roland Waldi, Vorsitzender der Marktgemeinschaft Kraichgaukorn. „Die haben beschlossen, dass sie nur noch Getreide verkaufen wollen, das nicht gespritzt und nur wenig gedüngt ist.“
Konzept Und zum Konzept gehört noch mehr, erklärt Waldi: „Kein Einsatz von Wachstumsregulatoren, ausschließlich mechanische Unkrautregulierung, Anbau hochwertiger Sorten, Begrenzung der Anbauflächen durch naturbelassene Feldränder, schonendes Vermahlen des Getreides und die Vermarktung des Mehles an Bäckereien, die das Mehl handwerklich zu frischen Backwaren verarbeiten.“
Und das Konzept überzeugte. In den vergangenen 20 Jahren ist Kraichgaukorn stetig gewachsen. „Heute sind wir rund 40 Bauern, die auf 1500 Hektar Ackerfläche anbauen“, verdeutlicht Waldi. „Durch die Qualität, die wir liefern, können wir mit unserem Getreide auch noch Geld verdienen.“ Doch Waldi, der selbst seit 18 Jahren bei der Marktgemeinschaft dabei ist, geht es nicht allein um den Gewinn: „Da steckt eine Philosophie dahinter. Es ist schön, dass wir davon leben können. Aber wer nur die Einnahmen maximieren will, ist bei uns falsch.“
Mit Bio hat Kraichgaukorn nichts zu tun. „Wir sind konventionelle Betriebe, die einfach ohne Chemie arbeiten“, erklärt Waldi. Und sein Hauptpunkt: „Wir sind in der Region für die Region, denn auch das gehört zum Umweltbewusstsein dazu. Lange Transportwege wollen wir ganz vermeiden.“
Das ist auch der Grund, weshalb Kraichgaukorn nicht auf zahlreiche Anfragen aus Norddeutschland oder der Bodenseeregion eingeht. „Wenn wir unser Getreide dorthin karren, sind wir nicht mehr glaubwürdig“, erklärt Waldi. Einen Know-How-Transfer könne er sich allerdings sehr gut vorstellen. „Klar wollen wir noch wachsen“, sagt er. „Aber nicht um jeden Preis.“
Denn zum Wachstum gehören auch die Bäcker, und die müssen nicht nur wollen, sondern auch ihr Handwerk beherrschen. Roland Waldi: „Backstuben, die mit uns kooperieren, dürfen keine Backhilfsmittel verwenden.“ Dafür macht die Marktgemeinschaft reichlich Werbung für ihre Distributoren.
Blick in die Zukunft Ideen haben die Kraichgaukorn-Mitglieder genug. Für das Jubiläumsjahr haben sie auf 15 Hektar Einkorn – eine Urkornsorte – ausgesät. „Daraus soll ein neues Produkt entstehen. Mehr wird aber nicht verraten“, hält sich Waldi bedeckt. „Wir haben früh gemerkt, dass man sich selbst helfen muss. Denn die Politik wird es sicher nicht tun.“
(von Miriam Hinner)
Gesundes aus der Region
HEILBRONN-ITTLINGEN. Voller Tatendrang präsentiert sich die Marktgemeinschaft Kraichgau Korn auch im 20. Jahr ihres Bestehens.
„Wir sind gemeinsam besonders“, hebt der Agrarwissenschaftler Rolf Brauch bei der Hauptversammlung im „Ober's Landgasthof“ den Stellenwert der über 70 Mitgliedsbetriebe hervor, die sich nunmehr schon seit zwei Jahrzehnten dem Qualitätsmerkmal Regionalität widmen. „Die derzeitige Renaissance der Region“, so Brauch weiter, sei eine klare Bestätigung der Bemühungen, die viel Ausbaupotential in sich tragen. Vor zwei Jahrzehnten hatte eine Handvoll Landwirte die Regionalgemeinschaft im Kraichgau auf den Weg gebracht, der sich mittlerweile Landwirte, Mühlen und Bäckereien aus Pforzheim und dem Enzkreis, Hardt und Kurpfalz sowie Leintal und Zabergäu angeschlossen haben.
Die landwirtschaftlichen Betriebe erzeugen ökologisch wertvolles Getreide nach Anbauregeln, die in Zusammenarbeit mit dem Institut für Pflanzenbau der Universität Hohenheim entwickelt wurden. Zertifizierte Vertragsmühlen lagern und vermahlen das Kraichgau Korn und die Bäckereien verbacken ausschließlich dieses Mehl zu einem vielfältigen Brot- und Brötchensortiment. „Unser Elite-Korn ist den anderen Klassifizierungen in Sachen Qualität weit voraus“, sind sich die beiden Vorstände Rudolf Müller und Roland Waldi mit Blick auf den Mehrwert einig, der auch das zukünftige Tun der Aktivisten prägen wird.
Auf das nachhaltige Umsetzen dieser Maßgabe wird vor allem Gerhard Risser ein wachsames Auge richten: Der vereidigte Sachverständige taucht mindestens einmal jährlich unangemeldet auf, prüft den Ackerbestand, versiegelt Mehlproben und nimmt Rückstellmuster unter die Lupe. „So kann der geschlossene Kreislauf zwischen Landwirt, Mühle, Bäcker und Verbraucher jederzeit genau nachvollzogen werden“, betont Gerhard Risser, der gleich noch eine Bestätigung des sinnvollen Schaffens parat hat: „Der Welthandel ist im vergangenen Jahr so stark eingebrochen wie noch nie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs“, informiert Risser über die aktuelle Bilanz der Welthandelsorganisation WTO, die die Regionalisten in ihrem zukunftsweisenden Tun bestärken sollte.
© Michael Block